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"Die Dinger strahlen wie die Hölle"

 Forschung schlägt Alarm: Kopfhörer können krank machen - Deutscher Erfinder verringert Elektrosmog mit weltweit neuer Technik - Niedrigere Grenzwerte gefordert

Immer mehr Experten schlagen Elektrosmog-Alarm: Nach Handys gelten jetzt auch alle kopfnahen Schallquellen wie Kopfhörer oder Headsets als mögliches Gesundheitsrisiko. Tests zufolge strahlen die kleinen Lautsprecher direkt am Ohr des Hörers bis zu achtmal stärker, als für Computermonitore zulässig. Ein bayerischer Erfinder reagierte mit einer weltweit neuen Technik zur Abschirmung des Elektronebels.

Stolz fährt Florian König mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand über das silbrig-glänzende Metallstück, das sich wie ein Halbmond über den kleinen Lautsprecher im Inneren des Kopfhörers legt. Dann schiebt der Münchener Erfinder ein kleines Polster aus Kunstleder über den Lautsprecher und drückt den Kopfhörer fest an seine Ohren. "Jetzt", sagt König, "kann ich die Musik ohne gesundheitliche Risiken genießen - das kleine Plättchen aus Spezial-Metall leitet das im Kopfhörer entstandene Magnetfeld zu 90 Prozent ab".

König kann sich zurecht über das neueste seiner mehr als 50 Patente die Hände reiben: Seit seine Elektronik-Firma Ultrasone aus dem bayerischen Penzberg den widernatürlichen Strahlenbeschuss durch Kopfhörer und Headsets mit Hilfe der kostspieligen MU-Metall-Legierung aus Eisen, Nickel und Kobalt drastisch senken konnte, verkaufen sich die strahlungsarmen Produkte bestens. Vor allem die zahlreichen Call Center in Deutschland rüsten ihre rund 230.000 Mitarbeiter verstärkt mit den gesundheitsschonenden Sprechgarnituren aus.

 Und auch der deutsche Autofahrer greift seit dem Handy-am-Ohr-Verbot verstärkt zu Freisprecheinrichtungen, deren Magnetfeldabstrahlung durch den Einbau von Metallplättchen gering gehalten wird.

Die Elektronik-Branche sieht sich aufgrund von neuen Forschungsergebnissen, die die gesundheitliche Gefährdung durch die magnetische Feldabstrahlung ihrer Produkte kaum noch leugnen können, zunehmend unter Druck gesetzt. Nach den Milliardenklagen von Hirntumorpatienten gegen Handy-Hersteller in den USA heißt das Motto auch hierzulande plötzlich: Kampf dem Elektrosmog!

Vor allem unabhängige Wissenschaftler schlagen laut die Alarmglocken und sehen dringlichen Handlungsbedarf. "Es ist höchste Zeit", sagt Günter Käs, "dass die Industrie etwas für die Eindämmung der künstlichen elektromagnetischen Strahlung tut. Die biologischen Effekte für den Menschen sind weit stärker, als die meisten auch nur ahnen". Käs ist einer von Deutschlands renommiertesten Professoren für Radarmeßtechnik, und er weiß, wovon er spricht.

 Bei Tests von mehr als 60 verschiedenen Kopfhörer-Typen wurde festgestellt, dass diese bis zu achtmal mehr magnetische Abstrahlung haben, als es beispielsweise Computerbildschirme von Gesetz wegen dürfen. Statt an der Norm für PCs von 200 nanoTesla schlugen seine Messgeräte oft beim Wert 1600 nanoTesla (nT) aus. (Ein nanoTesla ist der milliardste Teil von einem Tesla, der Einheit, mit der magnetische Feldstärken gemessen werden.)

Die bislang als Schwachstrahler verharmlosten Kopfhörer und Headsets können aufgrund ihrer oft stundenlangen Anwendung gefährlicher für den Menschen sein als beispielsweise Hochspannungsleitungen, Bahnstrom oder Handys. "Richtig erschrocken" sei er gewesen, als er die Meßresultate gesehen habe", sagt Käs. "Die Dinger strahlen wie die Hölle."

Die niederfrequente magnetische Strahlung der Kleintransformatoren in den Kopfhörern durchdringt nahezu jedes Material mühelos. Im Gegensatz zur hochfrequenten Handy-Strahlung sind die Auswirkungen der Niederfrequenzfelder, wie sie von vielen elektrischen Geräten im Haushalt abgesondert werden, sehr genau feststellbar.

Der US-Rat für Strahlenschutz (NCRP) kam zur Erkenntnis, dass jede Belastung über 200 nanoTesla (nT) als "klare Schädlichkeit" angesehen werden muss. Auch Forscher des weltweit anerkannten
Stockholmer Karolinska-Instituts stießen auf diesen Grenzwert: Sie wiesen nach, dass das Blutkrebsrisiko bei Kindern dreifach höher war, wenn sie an ihrem Wohnort dieser Strahlungsdosis ausgesetzt waren. Der künstliche Strom schädige langfristig das Immunsystem und bereite so den Boden für akute und chronische Krankheiten aller Art.

Eine internationale Expertenkommission stellte nach 18monatiger Arbeit im Auftrag des US-Instituts für Umweltgesundheitswissenschaften (NIEHS) fest, dass elektromagnetische Felder mögliche Auslöser von Krebs sind: Mit dieser Einstufung rangiert der von elektrisch geladenen Teilchen erzeugte Elektronebel in der gleichen Kategorie wie beispielsweise Chloroform, Blei oder das Pflanzenschutzmittel DDT.

Das künstliche Magnetfeld, dessen Intensität oft millionenfach über der natürlicherweise vorhandenen magnetischen Strahlung liegt, verursacht bei immer mehr Menschen nervöse Beschwerden, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Allergien, unzureichende Schlafqualität, Vitalitätsverlust und eine verringerte seelische und körperliche Belastbarkeit.

Dass die Industrie nur schaumgebremst auf diese Entwicklung reagiert, hängt für den Biomediziner Dr.Ulrich Warnke von der Universität Saarbrücken auch mit dem fehlenden Druck von realistischen Grenzwerten für die elektromagnetische Strahlung zusammen. "Die Normen", sagt der Autor mehrerer Bücher über die Gesundheitsgefährung durch Elektrosmog, "werden willkürlich von der Industrie in Klüngelei mit der staatlichen Bürokratie festgelegt." Viel zu hoch seien sie und würden die Unternehmen nur schwer zu Innovationen bei der Abschirmung von Strahlung drängen. Es sei fraglich, kritisiert auch König, ob die Grenzwerte im Interesse der Bevölkerung gemacht würden, oder ob den Menschen nur etwas vorgegaukelt werde.

Im Wirrwarr der Grenzwerte blicken inzwischen nur noch Experten durch. Der Richtwertempfehlung des US-Strahlenschutzrates (200 nT) steht beispielsweise die Norm der Weltgesundheitsorganisation WHO (100.000 nT) gegenüber. Die deutsche DIN-Norm orientiert sich am WHO-Wert. Im Wohnbereich dagegen halten Baubiologen schon jede Emission über 20 nT für gefährlich.

Die dubiose Diskussion macht deutlich, dass die gültigen Grenzwerte keinen wirklichen Schutz garantieren. Bei jeder anderen Form von Umweltbelastung, mutmaßt der Mediziner Dr. David Carpenter vom US-Strahlenschutzrat, bei der der Zusammenhang so eindeutig wäre wie der zwischen elektromagnetischen Feldern und Krebs, gäbe es umfassende Regelungen. "Striktere Standards würden jedoch horrend teuer werden und ihre Umsetzung daher politisch unrealistisch sein."

Eigeninitiative wie die Abschirmtechnik von Florian König ist in der Elektronik-Branche dünn gesät. "Unsere Firma schafft mit einer 90prozentigen Verringerung der Magnetfeldstrahlen einfach eine eigene Norm", sagt König keck. Diese liegt bei rund 50 nT und soll die Konkurrenz aus ihrem drögen Dornröschenschlaf aufwecken. Das bayerische Unternehmen fühlt sich mit seinem Öko-3D-Sound als Vorreiter im Kampf gegen den alltäglichen Elektrostress. "Wir wollen zeigen, dass die Industrie ohne großen technischen Aufwand den ungeliebten Nebel vertreiben kann", sagt König.
Die Pläne für seine nächste Erfindung hat er unterdessen bereits fertig im Kopf. "Bald", kündigt der Entwickler an, "gibt es ein Patent für strahlungsarme Handys."

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