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Verbogene Bratpfanne

Wie ein Berliner Erfinder mit einem radikal neuen Gesundheitsschläger die Tenniswelt revolutionieren will 

Der Mann liebt die Herausforderung. „Mit diesem krummen Ding“, sagt Harald Turzer entschlossen, „will ich dem Tennissport einen neuen Impuls geben“. Das krumme Ding – es sieht aus wie eine verbogene Bratpfanne oder ein herkömmlicher Tennisschläger, der in der gleißenden Sonne zusammen geschmolzen ist.

Harald Turzer hat sich an den Spott der Leute gewöhnt, doch der 44jährige Berliner Designer und mehrfach mit dem deutschen Filmpreis ausgezeichnete Kulissenbauer ist sicher, dass er sich mit dem revolutionären Schläger, geradewegs auf der Erfolgsspur befindet.

Vor zwei Jahren hatte er begonnen, den Aluminium-Rahmen von normalen Schlägern eigenhändig zu  verbiegen, um den Griff seiner Handform anzupassen.

 Und es war auch hier die Not, die erfinderisch machte: Grund für die ausgefallenen Bemühungen waren nämlich seine unerträglich gewordenen Schmerzen im Handgelenk und im Ellenbogen, die ihm das Tennisspielen verleideten: „Ich wollte mit dem geschwungenen Griff einfach die extremen Belastungen des Tennisspiels auf Handgelenk, Arm und Schulter dämpfen“.

 Um die Krümmung des Bananengriffs auszugleichen verbog der Erfinder schließlich der schlichten Logik folgend auch den Schaft des Rackets, um den Schlägerkopf wieder in die richtige Richtung zu positionieren. So bekam die Längsachse des „handgeschnitzten Prügels“, wie Tüftler Turzer seine erste Konstruktion schelmisch lächelnd nennt, eine sinusförmige Konfiguration.

Wie irritierend das jetzt zur serienreife gebrachte schiefe Racket auf die traditionelle Tenniswelt auch wirken mag - Experten bescheinigen dem futuristisch anmutenden Ballschlagegerät bislang nicht gekannte Qualitäten. „Der Schläger sieht zwar aus, als ob gerade ein Auto drübergefahren wäre“, sagt beispielsweise Siegfried Schwank cool, „doch er erleichtert das Tennisspielen ungemein“.

 Der 59jährige Schwabe, einst Berater von Tennis-Legende Steffi Graf, muss es wissen: er gilt in der Branche der Schlägertester als die europäische Nummer eins. Durch die  ergometrische Anordnung des Rackets müsse das Handgelenk beim Schlag nicht mehr abgeknickt werden, so ergaben Schwanks Untersuchungen. Dadurch würde dem sogenannten Tennisarm vorgebeugt; ganze Muskelgruppen könnten durch den variablen Griffwinkel entlastet werden. “Die Schlägerform entspricht  den natürlichen Bewegungsabläufen, die eben nicht–linear sondern parabelförmig sind. “

Die schlichte Veränderung der Hebelgesetze am schiefen Turzer-Schläger scheint auch die oft noch mechanistisch denkenden Sportwissenschaftler nachdenklich zu stimmen. So attestierte der renommierte Frankfurter Sportprofessor Winfried Banzer dem ungewöhnlichen Racket bereits nach den ersten Tests sichtlich beeindruckt, es sei „geeignet, eine Reduzierung der Beanspruchung im Bereich der oberen Extremitäten zu unterstützen“.

Den Rückenwind aus Richtung der Sportmedizin kann Tüftler Turzer dringend gebrauchen. Denn noch weht dem Neuerer in der Branche eine steife Brise entgegen. „Die großen Herstellerfirmen sind noch weit davon entfernt, sich dem radikal neuen Ideen zu öffnen“, sagt Turzer. Doch in seinen Worten schwingt nach vierjähriger Entwicklungsarbeit ungebrochener Kampfeswille mit. Der Mann traut sich zu, erfolgreich an der rund 500 Jahre alten traditionellen Form des Tennisschlägers zu rütteln.

Für den Visionär ist es ein Abenteuer der besonderen Art. Damit niemand seine Idee klaut, ließ er seinen ergometrischen Schläger unter dem Kürzel PCT/DE 2004-000644 als Patent schützen.

Harald Turzer will es wissen. „Meine Erfindung soll mehr sein als nur eine exotische Blüte in der Tennislandschaft“, so sein Lebenstraum. 1600 Patentschriften zu Tennisschlägern durchforstete der hartnäckige Filmkulissenbauer bevor er erkannte, dass seine Erfindung etwas wirklich Neues ist. Jetzt investiert er all seine  Zeit und Energie, um seine Idee in die Realität zu bringen.

 Die Zeit könnte für den angestrebten Paradigmawechsel durchaus reif sein: Immerhin geht es dem Tennissport kommerziell so schlecht wie schon lange nicht – noch nie wurden so wenig Schläger verkauft. Neue Sportarten wie Walking und andere Outdoor-Aktivitäten machen dem zu Boris Beckers und Steffi Grafs Zeiten  boomenden  Sport gehörig Konkurrenz.

Die dahindümpelnde Branche ist auf der Suche nach einer Blutauffrischung. Und da könnten  nicht nur die gesundheitlichen Vorteile des Schlägers von Turzers Berliner Entwicklungsfirma „Neoxxline“ eine Rolle spielen. Auch die Spielkultur verspricht vom ungewöhnlichen Designerprodukt zu profitieren. „Mit dem s-förmigen Schläger“, meint nicht nur Experte Siegfried Schwank, „kann man viel mehr Power entwickeln als bisher möglich.“ Schon die ersten Aufschlagtests ergaben, dass mit dem Racket so schnell wie mit kaum einem anderen serviert werden kann – 219 Kilometer pro Stunde. Rekordverdächtig.

Ein intuitiv besseres Spielen sei möglich, schwärmt auch der wieder schmerzfreie Hobby-Spieler Turzer: „Neue Techniken können sich jetzt durchsetzen“. Auch weil der Schläger zusätzlich zur größeren Power auch eine ungleich größere Drallbewegung als bisheriges Spielgerät entfaltet.

 Freilich ist der Spin-Erzeuger, der vor allem das Spiel am Netz vereinfacht, bislang hauptsächlich bei Jugendlichen und Frauen gefragt. „Den gestandenen männlichen Spielern fällt es offenkundig schwerer den programmierten Spott über den extremen Hingucker wegzustecken“, grinst Tester Schwank.

Harald Turzer ficht das nicht an – er liebt eben die Herausforderung. „Der Trend wird sich früher oder später durchsetzen“, sagt der Abenteurer mit entschlossener Stimme, „ob ich das allerdings noch erleben werde, steht in den Sternen.“

Informationen:
Neoxxline Ltd
Schleiermacherstr.15
10961 Berlin
Tel:030-61101914
www.neoxxline.com 

- Kontakt zum Autor:
   030/3956815
   030/25811231 
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