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"Wir verhungern an vollen Töpfen"

Unser Essen wird immer ärmer an Vitalstoffen – Mikrowelle unter Beschuss

Ernährungswissenschaftler schlagen Alarm: Weil die Tonnenideologie in der Landwirtschaft, die Fast-Food-Mentalität und der Gebrauch des Mikrowellenherdes überhand nehmen, sind in unserer Nahrung kaum noch Vitalstoffe vorhanden. Das Resultat ist ein starker Anstieg der Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt, Krebs oder Diabetes. Hoch dosierte Vitaminpillen als Zusatz zum normalen Essen sind inzwischen nach Ansicht der Forschung kein Luxus mehr, sondern existentielle Notwendigkeit.

Dr. Bodo Kuklinski nimmt kein Blatt vor den Mund. "Die meisten Europäer leiden an einer schleichenden Unterversorgung mit Mikronährstoffen wie Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen," sagt der Leiter des renommierten Rostocker Diagnostik- und Therapiezentrums für Umweltmedizin.

Für den deutschen Vitaminpapst ist klar, dass dieses Defizit der Hauptgrund für Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislaufleiden, Krebs oder Diabetes ist.

Die industrielle Landwirtschaft mit ihrer Tonnenideologie habe zu einem dramatischen Abfall des Vitamingehalts in den Nahrungsmitteln geführt. "Wir verhungern im Überfluss", stellt er unverhohlen fest und belegt diese Aussage mit Beispielen. Nach Untersuchungen am europäischen Zentrum für Immuntherapie und Immunforschung an der Schwarzwald Privatklinik Obertal in Beiersbronn verringerte sich der Kalziumgehalt einer Kartoffel in den letzten 20 Jahren um 70 Prozent von 14 Milligramm je 100 Gramm auf vier Milligramm. Der Vitamin C-Gehalt in Spinat schrumpfte um mehr als die Hälfte und der in Erdbeeren um 67 Prozent. Das lebenswichtige Vitamin B 6, das unter anderem die Konzentrationskraft und das Immunsystem stärkt, verminderte sich bei Bananen sogar um 92 Prozent. Der Anteil der Folsäure sackte um 84 Prozent ab. Die Möhren verloren 57 Prozent an Magnesium.

Obst und Gemüse sehen zwar appetitlicher aus als je zuvor und sind lange haltbar. Doch im Inneren macht sich zunehmend eine Vitalstoff-Leere breit.

So sieht auch das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) inzwischen einen großen Vitaminmangel in der Bevölkerung. Vor allem die Vitamine D und E sowie Folsäure würden über die Nahrung nur unzureichend aufgenommen. "Beim Vorliegen eines Vitaminmangels", so D.I.E.T.-Sprecher Sven-David Müller, "sei die Einnahme von natürlichen Vitalstoffen in Form von Ergänzungsmitteln zwingend notwendig."

Im Reagenzglas produzierte Vitaminpillen wie sie die Pharmaindustrie hauptsächlich anbietet sind dagegen eher schädlich. "Eine künstliche Multivitamin-Brausetabletten zu nehmen", sagt der in den USA lebende Berliner Ernährungswissenschaftler Christian Opitz , "ist so, als ob ich einem Verhungernden verdorbenes Brot zu essen gäbe. Es nährt auch ein wenig". Mit dem drastischen Vergleich nimmt der in den USA lebende Berliner die Essgewohnheiten in deutschen Landen aufs Korn – den verstärkten Griff nach nährstoffarmen Fastfood- und Fertiggerichten sowie den hoffnungslosen Versuch, den entstehenden Vitalstoffmangel mittels chemisch erzeugter Vitamine wieder zu beheben.

Die in Drogeriemärkten und Apotheken feilgebotenen Vitamin-Billigpräparate aus der Retorte hätten meist sogar noch eine kontraproduktive Wirkung, weil sie oft ein Ungleichgewicht im Körper auslösen würden. So absorbiere beispielsweise im Fall der Mineral-Brausetabletten das eingenommene Kalzium einen so lebenswichtigen Vitalstoff wie Zink.

So wie Opitz sprechen sich mehr und mehr Ernährungsforscher gegen den Verzehr von synthetischen Vitaminen aus den Labors der Pharma-Industrie aus. "Was im Reagenzglas erzeugt wird", sagt der Stuttgarter Vitamin-Experte Thomas Glattes "kann vom Körper nur zu einem geringen Teil aufgenommen werden und muss weitestgehend ohne positive Wirkung bleiben".

Der Sprecher des "Vitality-Gesundheits-Schutz-Projektes", das Informationen über die weltweiten Mikronährstoff-Forschung herausgibt, plädiert für die Einnahme natürlicher Vitalstoff-Komplexe, um mehr Lebensqualität und eine Verbesserung der Gesundheit zu erreichen.

Aktuelle wissenschaftliche Studien belegen inzwischen die positive Wirkung von hoch dosierten Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. "Die Erfolge bei Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislaufschäden, Krebs, Schlaganfall, Diabetes oder Rheuma", sagt Glattes, "sind nicht mehr wegzudiskutieren."

Die Botschaft kommt an: So beliefern meist US-Vitaminhersteller über ihre europäischen Niederlassungen in England, Belgien oder Holland täglich tausende Kunden zwischen Nordsee und Alpen mit in Deutschland im freien Verkauf verbotenen hoch dosierten, natürlichen Vitamin-Kapseln und -Pillen. Sie können sich dabei auf EU-Recht berufen, wonach sich jeder Verbraucher mit Produkten zum Eigenbedarf in anderen EU-Mitgliedstaaten eindecken darf, die dort frei verkäuflich sind, ohne gegen das Arzneimittelrecht zu verstoßen.

Der Pharma-Industrie und der Politik ist die Entwicklung hin zu einer Vitalstoffernährung ohne Einschränkung der Dosierungs-Obergrenzen ein Ärgernis. So ist für das Berliner Landwirtschaftsministerium die Festsetzung von Obergrenzen für Vitalstoffpräparate "aus Gründen des vorbeugenden gesundheitlichen Verbraucherschutzes erforderlich", wie es in einer Stellungnahme zu einem geplanten EU-Verbot für wirksame Naturheilverfahren heißt. Zwei Welten treffen bei diesem Thema aufeinander: Während die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) beispielsweise einen täglichen Vitamin C-Bedarf von 70 bis 100 Milligramm sieht, gehen Vitamin-Forscher von einer Tagesdosis ab 2.000 und mehr aus.

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